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Das Amts- und Landgerichtsgefängniss am Katzenstadel wurde ab 1891 erbaut.
Hierzu wurde auch der Judenwall abgetragen. Mit der Machtergreifung der Nazis wurde hieraus das Gestapogefängnis. Bei einem Bombenangriff wurde das Gebäude 1944 zerstört.
Nach dem Krieg wurde an dieser Stelle eine Verwaltungsgebäude errichtet, an der Blaue Kappe 18. Zunächst war dort die LVA untergebracht, jetzt ist es ein städtisches Verwaltungsgebäude (u.a. Ordnungsamt, Bürgerbüro Stadtmitte). |
Foto:
Stadt Augsburg / Fotolabor |
| Das
ehemalige Gestapo-Gefängnis "Am Katzenstadel" |

Lageplan um 1925 (zum Vergrössern anklicken) |
heutiges Verwaltungsgebäude |
Im März 1933 wurden die ersten 68, in
sogenannte "Schutzhaft genommene Personen" ins Gestapogefängnis
gebracht. Zynisch berichtete die "Neue Nationalzeitung" (NNZ)
unter der Überschrift "Roter
Parteitag im Katzenstadel" von den Verhaftungen. Unter Ihnen Johann Aechter.
Inhaftiert wurden zuerst Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter,
später Stadträte der Bayer. Volkspartei sowie christliche Gewerkschafter.
Die zweite Verhaftungswelle fand am 22./23. März statt. Die Liste
in der NNZ unter der Überschrift "Hochkonjunktur im Katzenstadel
- Der Wallfahrtsort der Linken" umfaßt 51 Personen. Am Ende
der Liste: "Fortsetzung folgt". Neben den meist der KPD
angehörenden Personen wurden auch Funktionäre der SPD wie Högg
Clemens, Bürgermeister Ackermann Friedrich oder Rechtsanwalt
Oberbrunner Stefan verhaftet.
In der Arbeiterstadt
Augsburg war der Widerstand gegen die Nazis wesentlich stärker als
in München (vor allem im Viertel Links der Wertach und in Lechhausen).
Bericht der SOPADE 1936: „Es herrscht in Augsburg eine viel dickere
Luft als in München. In Augsburg ist der Druck des Militär-und
Polizeiapparates auf Schritt und Tritt spürbar. Die ganze Atmosphäre
dieser Stadt atmet Zwangsstaat und Zuchthaus."
Sogar die offizielle Neue Nationalsozialistische Zeitung musste 18 Monate
nach der Machtergreifung zugeben: „Dem aufmerksamen Beobachter bei
einem Rundgang durch die Stadt wird es sicher nicht entgehen, dass hin
und wieder ein „Zivilist" den schüchternen Versuch macht,
mit der rechten Hand in die Höhe zu stechen. Dazu murmelt er etwas
Unverständliches ...Wie kommt es nun, dass in Augsburg der deutsche
Gruß so wenig angewendet wird?“
Es gibt auch einen ähnlichen Artikel über die Augsburger, die
zu sparsam seien, um Hakenkreuzfahnen zu kaufen.
Das Wahlergebnis in Augsburg am 3. Mai 1933:
NSDAP 32.3% (23%)
BVP 27.1% (28.3%)
SPD 23% (25%)
KPD 10,2% (14,6%)
letztere trotz vieler Verhaftungen
Nach den Wahlen gab
es eine große Verhaftungswelle, wovon jetzt viele Sozialdemokraten
betroffen waren.
Unverschämter
Artikel in der NNZ:
„Wieder haben sich Agitatoren...im Katzenstadel gemeldet, um dort
Urlaub zu machen... Was Wunder, wenn in den letzten Tagen geradezu eine
Völkerwanderung nach dem herrlich gelegenen Katzenstadel einsetzt,
wo das Rauschen der Bäume und der Sang der Vögel in die verschwiegensten
Winkel dringt und lauschige Kemenaten zu romantischer Schwärmerei
einladen...Doch was sollen wir weiter Propaganda machen für ein Unternehmen,
das an sich dem Ansturm der Erholungsbedürftigen kaum mehr gewachsen
ist! - Nachstehende Personen wurden am 24. und 25. Mai in Schutzhaft genommen“
(es folgt eine lange Reihe von Namen, darunter Franz Adlhoch, Gewerkschaftssekretär).

| Weitere Überschriften in der NNZ |
Hochkonjunktur im Katzenstadel - Der Wallfahrstsort der Linken
"Von Wallfahrten wollten S.P.D. und Kommunisten zwar nie etwas wissen, aber jetzt bequemen sie sich doch, reumütig und ergeben nach dem Katzenstadel zu wallfahren....." (51 Namen) |
| Roter Parteitag im Katzenstadel - Die erste Liste der bisher in Schutzhaft genommenen Augsburger Marxisten (88 Namen) |
Im Katzenstadel war Platz für etwa 500 Gefangene, es wurden Gefangene
in andere Gefängnisse im Bezirk Schwaben, wie Aichach und Neudeck
eingewiesen, um im Katzenstadel Platz für eine neue Verhaftungswelle
zu schaffen. Dazu ein Schreiben des Gefängnisdirektors aus Eichstätt:
„Wegen Überfüllung der Augsburger Gefängnisse mussten
in den Monaten April und Mai (1933) 100 Schutzgefangene vorübergehend
im Gerichtsgefängnis Eichstätt untergebracht werden“....Er
stellt der Regierung von Schwaben nun eine Rechnung über 150 Reichsmark
für die Leihgebühr für 100 Strohsäcke, Kopfpolster
und Leintücher, 200 Wolldecken und Essbestecke.
Am 23. März wurde das KZ Dachau eröffnet, bis zum Jahresende
1933 gab es in Deutschland mehr als 100 KZs mit über 150 000 Insassen.
1933 waren 578 Augsburger in das KZ Dachau eingeliefert worden. Ab 1934/35
wurden die Widerstandsgruppen gemeinsam angeklagt und vor Gericht gestellt.
Die Verhandlungen fanden meistens in München statt, wegen der Zusammenarbeit
mit dem Widerstand in München.
Heute erinnert eine
Gedenktafel an die Verhafteten Gegner
des Naziregimes (An der Blauen Kappe 18)
| Gedenktafel |
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Kratzniederlegung zum Gedenken an die Inhaftierten (2006) |
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Literatur:
IGM Verwaltungsstelle Augsburg (Hg.): Die alten und neuen Herren - Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Augsburg 1933-1954. AV-Verlag Augsburg 1988. Liste ausleihbarer Bücher Nr. 32-34
"Am Katzenstadel" nach der Zerstörung Foto >>
Dokumentation (130kByte)
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