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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisvereinigung Augsburg
Stand: 22.11.2014
VVN-BDA Augsburg Ernst Grube

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ZEITZEUGEN

 Ernst Grube

 
  
* 13.12.1932

Ernst Grube wurde 1932 in München geboren. Die Mutter war Jüdin, der Vater evangelischer Sozialist. Im "arisierten" Wohnhaus" in der Herzog-Max-Straße wird ihnen Wasser, Strom und Gas abgeschaltet. Dem Terror ausgesetzt und zum Verlassen der Wohnung gezwungen, bringen die Eltern die Kinder in das jüdische Kinderheim in der Antonienstraße in München-Schwabing. Die glückliche Zeit dort wird überschattet durch Maßnahmen der systematischen Ausgrenzung: Der Besuch von Schulen wird unmöglich gemacht; die Kinder müssen den gelben Stern tragen, die ersten Deportationen setzen ein. 1941 wird seine Freundin Anita deportiert - tagelang weinte der 9Jährige. Die Nachbarskinder beschimpfen die Kleinen mit "Saujuden" und bespucken sie.


In April 1942 wird schließlich das Kinderheim aufgelöst. Die Kinder werden mit ihren Betreuerinnen in das Sammel- und Deportationslager Milbertshofen im Münchner Norden gebracht. Dann in die "Heimanlage für Juden" in Berg am Laim.
Diese wurde Frühjahr 1943 aufgelöst. 1945 wird er mit seinen beiden Geschwistern und seiner Mutter ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.

Die Befreiung der überlebenden Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee rettete ihm und seiner Familie das Leben. Im Juni 1945 kommt er nach München zurück. Er wird Malermeister und holt auf dem 2.Bildungsweg sein Abitur nach. Dann Studium zum Berufsschullehrer. 12 Jahre lang war er als Personalratsmitglied und stellvertretender Personalratsvorsitzender aktiv.

"Erinnern allein tut's nicht!"

Dieses Motto steht für die bis heute fortgeführten antifaschistischen Aktivitäten von Ernst Grube. Der gelernte Malermeister ist im Landesvorstand Bayern der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN-BdA), Mitglied des "Fördervereins für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau", engagiert sich in der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe" und ist stellvertretender Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau e.V. Außerdem ist Ernst Grube Schulpate des "Anne-Frank-Gymnasiums" in Erding und des Albrecht-Altdorfer-Gymnasium in Regensburg.

Ernst und
Werner Grube (gestorben 22.1.2013)

 

 

 

 

 



Ernst Grube erzählt aus seinem Leben
Veranstaltung am 19.2.08 (VVN-BdA und DGB)

Weitere Informationen

Erschreckende Kontinuität
Kommentar von Helmut Zeller SZDachau 1.2.2012
Bei Gedenkfeiern, auch zum Holocaust-Gedenktag am Freitag war es wieder so, nehmen Politiker heute gerne die Losung der Buchenwald- Überleben den in den Mund: ,,Nie wieder!" Der Shoa-Überlebende Ernst Grube ist einer, der dieses Vermächtnis der KZ-Häftlinge schon konsequent gelebt hat, als die Politik noch lange nicht an die Naziver gangenheit rühren wollte - die Täter waren ja mitten unter uns, in Justiz und Polizei, Schulen und Universitäten, in der Ärzteschaft, in Politik, Kirchen und Geheimdiensten. Nicht wenige brachten es im allgemeinen Schweigen sogar wieder zu Ansehen, auch in diesem Landkreis, etwa der Prälat Josef Steininger oder der SS-Arzt Hans Joachim Sewering, die in die Morde der Nazi-,,Euthanasie" verstrickt waren.
Nur störend wirkte da die 1946 gegründete ,,Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes", die an die antifaschistische Tradition der Sozialdemokraten, Kommunisten und bürgerlichen Widerständter anknüpfte, die 1933 als erste ins KZ Dachau verschleppt worden waren.
Ernst Grube erhielt mehrfach von der Polizei Prügel, kam monatelang in Isolationshaft und wurde in den 1970er Jahren mit Berufsverbot belegt. Seine Stigmatisierung als Verfassungsfeind heute steht in eben dieser Kontinuität - wie Gerichtsurteile, die Neonazi-Aufmärsche erlauben, wie ein Bundesinnenminister, der die Linkspartei mit der NPD gleichsetzt, vor deren Verbot die Politik sich drückt, wie ein Verfassungsschutz, der einer rechtsextremen Mörderbande jahrelang nicht Einhalt bietet. Wie viel Glaubwürdigkeit hat denn dieser Verfassungsschutz, dass der CSU-Abgeordnete Karl Freller meint, er könne noch ein Stück davon verlieren? Beschädigt wird der Zeitzeuge Ernst Grube, der sich für die demokratische Erziehung der Jugend einsetzt, und die Verfassung, zu deren angeblichen Schutz er verfolgt wird. Die Politiker, die heute zur Jagd auf Ernst Grube schweigen, aber den Schwur der KZ- Häftlinge im Mund führen, sollten sich an den vollständigen Wortlaut erinnern:
,,Nie wieder Faschismus ! "


Informationen im Netz


• Der Münchner Ernst Grube im Porträt >>
• Interview mit Ernst Grube zum Holocaust- Gedenktag am 27. 01. 2011 pdf-Datei >>
• Rede anläßlich der Gedenkfeier für die Opfer des Faschismus 1.11.2011 pdf-Datei >>

Ehrungen für Ernst Grube
• 2002 „München leuchtet den Freunden Münchens“ in Silber >>

Presse
Stigmatisierung durch den Verfassungsschutz SZ 2011 >>
"Wir dürfen nicht schlafen" - Joachim Bonhard im Interview mit Ernst Grube AZ 9.12.2011 >>

Video / Rundfunkinterview
• Im Ghetto - Jüdische Kindheit in München (VHS 20min 1998 - bei uns ausleihbar)
• Rundfunkinterview Bayer. Rundfunk 17.11.2007, 12.05 Uhr - KZ-Kind - Antifaschist - Jude - Der Münchner Ernst Grube
• Rundfunkinterview Bayer 2, ein Beitrag von Ties Marsen 28.10.2011 - Ernst Grube: KZ-Kind, Antifaschist, Jude >>
• Rundfunkinterview Bayer 2, ein Beitrag von Ties Marsen 14.12.2012 - Zum 80ten Geburtstag von Ernst Grube
• Ernst Grubes Kindheit im Nationalsozialismus, ein Beitrag von Böswirth, Rossell, Voigt 14.7.2013 >>
• Opfer des NS-Regimes: Grube , Ernst ARD-alpha 12.12.2013 >>
• ARD-Sportschau. Interview mit Ernst Grube - Mit Fußball gegen das Vergessen 16.11.2014 >>

Forschungsreise Wider das Vergessen
• Reisetagebuch 6.-20.11.2011 >>
• Diashow zur Reise auf YouTube >>