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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisvereinigung Augsburg
Stand: 05.02.2013
VVN/BdA Augsburg - Hans Beimler

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WIDERSTAND im DRITTEN REICH

Hans Beimler

geb. 2.7.1895 in München
am 1.12.1936 im spanischen Bürgerkrieg gefallen

Hans Beimler wurde in München geboren und wuchs in Waldthurn in der Oberpfalz bei seiner Großmutter auf, wo er die Volksschule besuchte und das Schlosserhandwerk erlernte. 1913 wurde Beimler in München Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Den 1.Weltkrieg musste er als Matrose mitmachen; im November 1918 beteiligte er sich an der Revolution in Cuxhaven. Er wurde Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und nahm im Mai 1919 aktiv an den Kämpfen um den Erhalt der Münchner Räterepublik teil. Mit seiner Frau Lena, die er 1919 heiratete, hatte er zwei Kinder: die 1919 geborene Rosi und den 1921 geborenen Hansi. Von 1921-23 saß er als politischer Häftling in der Strafanstalt Niederschönenfeld ein (Verurteilung wegen angeblich geplanter Brückensprengung, die die Verlegung bayerischer Truppen in das mitteldeutsche Aufstandsgebiet verhindern sollte).

1925 wurde er als Gewerkschaftsverantwortlicher in die KPD-Bezirksleitung Südbayern gewählt. Nach der Selbsttötung seiner ersten Frau Lena war er als Sekretär des Unterbezirks Schwaben der KPD in Augsburg tätig und wurde 1929 in den Stadtrat gewählt. Hier in Augsburg heiratete er Centa Herker-Beimler, geb. Dengler. Sie wurde am, 12.3.1909 in München geboren.

Aufgrund seiner inzwischen großen Popularität in Bayern stieg er 1932 zum politischen Leiter im Bezirk Südbayern auf und war von April bis Juli Abgeordneter des Bayerischen Landtages, anschließend bis 1933 dann Mitglied im Deutschen Reichstag.

Am 11.4.1933 erfolgte in München die Verhaftung durch die Nazis, die ihn im Polizeigefängnis wie auch im Konzentrationslager Dachau, in das er am 25.4.1933 verschleppt wurde, brutal folterten. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1933 gelang ihm die Flucht über München, Berlin und Prag in die Sowjetunion. Bereits im August 1933 wurde dann in Moskau sein Erlebnisbericht "Im Mörderlager Dachau" veröffentlicht, der als einer der ersten authentischen Zeugnisse über den Terror in den Konzentrationslagern weltweite Beachtung fand. 1934 wurde Beimler aus Nazideutschland ausgebürgert.

Ab Ende 1933 bis zum Sommer 1936 arbeitete er in Paris, Prag und Zürich für die Rote Hilfe, um den Widerstand in Deutschland zu unterstützen. Als Teilnehmer am spanischen Bürgerkrieg gegen die Franco-Faschisten fiel er am 1.12.1936 vor Madrid.

Auszüge aus seinem Buch
Während ich so ... nachdachte, wurde die Tür meiner Zelle aufgestoßen und drei SS-Männer ... traten ein mit den Worten: Jetzt haben wir dich, Hetzer, du Landesverräter, du Bolschewistensau, du Bonze. [Dann beschreibt er, wie er Jacke und Hose ausziehen musste und, auf einer Pritsche liegend, mit einem Ochsenziemer geschlagen wurde]

Nun überreichte [der Lagerverwalter Vogel] mir einen 2 Meter langen Kälberstrick von der Stärke eines Fingers und forderte mich auf, denselben am kleinen Wasserleitungshahn aufzuhängen. ... Ich stieg auf die Pritsche und hängte den Strick ... an den Hahn. Nachdem ich wieder heruntergestiegen war, gab er mir folgende Weisung: "Wenn in Zukunft wieder jemand die Zelle betritt, haben Sie eine militärische Haltung einzunehmen und zu sagen: ´Der Schutzhaftgefangene Beimler meldet sich zur Stelle` und - auf den Strick zeigend - sollten Sie irgendwelche Zweifel bekommen, dann steht er ihnen zur Verfügung. Später: Na, Beimler, wie lange gedenkst du denn die Menschheit mit deinem Dasein zu belästigen? Ich habe dir schon einmal gesagt, dass du in der heutigen Gesellschaft, im Nationalsozialistischen Deutschland, ein überflüssiges Subjekt bist." Ihm wurde eine "Frist" von 2 Stunden gesetzt. Nach einer Stunde erschien einer der SS-Männer und knüpfte die Schlinge: "So, jetzt habe ich alles getan, was ich tun konnte, mehr kann ich dir nicht helfen. Also, du brauchst jetzt bloß mehr den Kopf hineinzustecken, das andere Ende in das Fenster hinhängen und alles ist fertig. In zwei Minuten ist alles erledigt. Es ist doch nichts dabei; außerdem kommst du ja doch nicht mehr lebendig aus der Zelle raus. Der Befehl des Herrn Kommandanten muß ausgeführt werden!
Eine der letzten Aufnahmen von Beimler
in der Volks-Illustrierte 1937 Nr.1
aus Willmann 1975, S.311
 

Hans Beimler: (in VI 1937 Nr.1 aus Willmann 1975, S.313)
Befehl zum Selbstmord
Sie hatten die Zellentür kaum zwei Minuten zugeschlossen, da wurde schon wieder aufgesperrt. - Der Mordbandit riß mich mit dem Wort: "Raus!" aus der Zelle und warf mich in die Zelle 4. Es war der erschütterndste Augenblick meines Lebens. Vor meinen Füßen auf dem Steinboden lag die zerschundene, mit dicken Beulen bedeckte Leiche meines langjährigen Kampfgenossen Fritz Dressel.
Der linke Arm lag ausgestreckt auf dem Boden, quer über den Vorderarm drei Schnitte, das Brotmesser daneben.
Es war alles aufgeklärt. Der Genosse wurde durch die unerhörte Quälerei in den Tod getrieben, gezwungen, Hand an sich zu legen, wie das an mir und auch an den Genossen Götz und Genossen Hirsch geschah. Er wurde dabei "unvorsichtigerweise" von einem Sturmführer gefunden, als er noch nicht verblutet war.......
.. Sollte ich vielleicht so lange bei meinem toten Genossen in der Zelle gelassen werden - bis ich es ihm gleichtat? - Wenn sie mich auch nach wenigen Minuten wieder aus der Zelle holten und in "meine" zurückbrachten - so sollte ich doch gleich erfahren, warum sie mich in die Todeszelle geworfen haben.
"So!" - sagte der Verbrecher, im Lager als Kommandant bezeichnet - "so, jetzt hast du es wohl gesehen, wie man es macht. Du mußt nicht glauben, daß du deshalb zu deinem Freund hineingekommen bist, um ihn nochmals zu sehen und von im Abschied zu nehmen, du sollst bloß sehen, wie man es macht, und daß er nicht so feig war. Er hatte mehr Charakter als du, feige Sau."

Straßennamen in Augsburg - Pfersee
seit 1948
Am 2.7.2015 wurde an der Beimlerstraße ein Zusatzschild mit Hinweisen auf das Schicksal enthüllt.
ehemalige Hans Beimler Medallie der FDJ (Sportabzeichen)

Gedenkstein vor der ehemaligen Sekundarschule "Hans Beimler" in Bennstedt(Saalkreis)
Aufnahme 2005
Beimler wird auf der Gemeindehomepage heute nicht mehr erwähnt, wie in vielen Gemeinden
der ehemaligen DDR

          

Grabstein auf dem Gedenkfriedhof ehemaliger Spanienkämpfer gegen das Francoregime in Barcelona

       
 

Gedenksteine auf dem "Friedhof der Sozialisten" in Berlin

Weitere Informationen:
http://www.hbg.ka.bw.schule.de/publikat/dachau/bericht.html

Das Lied "Hans Beimler, Kamerad" von Ernst Busch >>
Foto Hans Beimler >>
Biographie >>

Nach Hans Beimler benannt:
Hans Beimler Chor Berlin >>

Verfilmung:
Hans Beimler, Kamerad, DDR 1969, Regie Rudi Kurz
Erinnerungsblatt 9/2015

Literatur:
Freyer Günter: Gefallen vor Madrid: Hans Beimler. In: Rotfuchs Jg.12(2009), S. 14 >>

Leber Annedore: Das Gewissen entscheidet -Bereiche des deutschen Widerstandes 1933-1945. Frankfurt am Main 1963

Beimler Hans: Im Mörderlager Dachau - Um eine biographische Skizze ergänzt von Friedbert Mühldorfer, Neuerscheinung 2011, PapyRosa Verlag

Bayer Heinz: Hans Beimlers Kampf gegen den Faschismus (2.2.2012) >>


Wikipedia >>
wapedia >>
Hans Beimler Zentrum Augsburg >>