Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg

  Auf den Spuren der NS-Zeit in Augsburg

Der Riedinger Bunker
Der Bunker 1945 unter dem Schuttberg

Das Riedinger Haus war seit 1928 im Besitz der Stadt. Seit 1938 diente es als Verwaltungsgebäude der Stadtwerke bis es 1944 zerstörte wurde. Unterhalb des Hauses am Hohen Weg befand sich der Riedingerbunker. Der Bunker diente der Nazi-Leitung als Kommandantur.

Er war der Befehlsstand des Stadtkommandanten General Franz Fehn. Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp in München war sein Vorgesetzter. Dieser bestand auf Einhaltung des Himmler- Bormann-Keitel Erlasses (Verbrannte-Erde-Erlass, völlige Zerstörung der Infrastruktur Deutschlands).
Es war der stärkste Bunker der Stadt, in dem natürlich nur die obersten Nazis vor den Bombenangriffen Schutz fanden. Der Bunker unter dem Schuttberg war bis zuletzt intakt.

Gauleiter Karl Wahl und Oberbürgermeister Josef Mayer ziehen sich aus der Verantwortung, die Stadt zu übergeben, weil sie Angst vor der SS und Gestapo haben, erklären, nur Fehn sei dafür zuständig.

 

Befehlsstand des Stadtkommandanten General Franz Fehn

Eine so genannte Freiheitsbewegung aus„beherzten Bürgern“ erzwang hier die kampflose Übergabe der Stadt, da die Alliierten ansonsten die Vernichtung angedroht hatten. Maßgebliche Angehörige der Deutschen Freiheitsbewegung waren in Augsburg wie anderenorts Lehrer, Pfarrer, Ärzte und Kaufleute. Ihre Gemeinsamkeit war der „Widerstand gegen die Kriegsverlängerung“.

Die Motive der Mitglieder der Deutschen Freiheitsbewegung waren nicht immer ganz uneigennützig. So stellte der Vorsitzenden im Spruchkammerverfahren gegen Georg Achatz fest: Er glaube, man könne vorerst nicht zu der Überzeugung gelangen, „daß der Betroffene aus innerstem Antrieb gehandelt hat, ich nehme eher an, daß er am 26. April 1945 seinen Schritt zu den Amerikanern aus persönlicher Klugheit getan hat, um sich damit gewissermaßen mit einem guten Schuß «Geschäftssinn», eine Rückfahrkarte zu besorgen“, Schwäbische Landeszeitung 5.12.1947 (zitiert nach Karl-Ulrich Gelberg, Kriegsende und Neuanfang in Augsburg 1945 S. 8).

Selbstverständlich versuchten auch die führenden Augsburger Faschisten, die kampflose Übergabe der Stadt für sich zu reklamieren, um die Spruchkammern zu milden Urteilen zu bewegen – was ihnen offensichtlich durch die Bank gelang.

Deutsche Freiheitsbewegung Augsburg:
Dr. Lang (Oberarzt Städt. Krankenhaus)
Georg Achatz
Anton Setzer (Blindenschule)
Franz Hesse (politisch vorbestraft)
Aus dem Kreis um Anton Setzer innerhalb der Deutschen Freiheitsbewegung ging nach Kriegsende die Augsburger Aufbaugemeinschaft hervor. Ihr gehörten neben Setzer u. a. Prälat Hörmann, Kleindienst, Oberkirchenrat Bogner und Landrat Hamberger an. Daraus entwickelte sich die Augsburger CSU.

Übergabe der Stadt Augsburg:
Auf Dr. Lang wird durch das Fenster seiner Wohnung geschossen, er versteckt sich im Kloster St. Elisabeth.
Telefonische Verbindung mit den Amerikanern wird hergestellt: „2000 bombers are ready to start against the town. In half an hour everything will be finished“. Die Gruppe erklärt ihnen, dass sie alles tun werden, um die Stadt kampflos zu übergeben, sie machen präzise Angaben über die militärische Situation in Augsburg und Umgebung. Sie müssen ihre Namen nennen, obwohl das ihren Tod bedeuten konnte. Sie bekommen eine Stunde Zeit, um Fehn zur kampflosen Übergabe zu bewegen.
Bischöflicher Prälat Hörmann, OB Mayer, Gauleiter Wahl versuchen Fehn zu überreden, aber umsonst.

Zu Fuß, auf Motor- und Fahrrädern wird von der Widerstandsgruppe die Parole an die Bevölkerung ausgegeben, dass weiße Fahnen gehisst werden sollen, Bevölkerung beginnt, die Barrikaden vor den Brücken wegzuräumen.

Nachts halten 27 Widerständler auf der gegenüberliegenden Straßenseite Wache, ausgerüstet mit einem Maschinengewehr, 20 Karabinern, Handgranaten und Pistolen, entschlossen Fehn und die übrigen Nazis am Verlassen des Bunkers zu hindern.

Franz Hesse schlägt sich durch die feindlichen Linien nach Steppach durch und erklärte Maj. O'Connell, dass die Stadt sich ergeben würde, und dass die Barrikaden an den Lech- und Wertachbrücken abgebaut werden. O'Connell beschreibt, wie Franz Hesse mit seinem eigenen Wagen die Amerikaner auf Schleichwegen über die Brücken in die Stadt zum Riedinger Keller führte, er beschreibt Hesse als einen Mann von großem Mut, der es schaffte, durch seinen persönlichen Einsatz die Stadt Augsburg vor ihrer völligen Zerstörung zu bewahren.

Am frühen Morgen des 28.4.1945 kommt Hesse mit dem ersten amerikanischen Stoßtrupp am Riedingerbunker an. Die Nazis im Riedinger-Bunker werden überrumpelt, merken zu spät, dass nur eine Hand voll Amerikaner in der Stadt ist.
Fehn bekommt zum Entsetzen der Deutschen von O’Connell die Erlaubnis zu telefonieren (5 Minuten), Achatz schlägt ihm das Telefon aus der Hand. Fehn wird verhaftet, die Stadt gerettet.

Eine Gedenktafel erinnert seit 2011
an die Übergabe der Stadt Augsburg.

Seit 1955 steht am ehemaligen Ort des Bunkers das Stadtwerkehaus
 

Hier an der Südmauer der Bischofstadt stand seit dem Mittelalter das Imhofhaus. 1866 wurde es durch das Riedingerhaus ersetzt, das 1944 durch Luftangriff zerstört wurde. In der Wahlperiode des Stadtrates 1952 bis 1956 als Dr. Klaus Müller Oberbürgermeister war und Stadtbaurat Mausch die Stadtwerke leitete, wurde 1953-1955 das neue Verwaltungsgebäude der Stadtwerke, hinter die frühere Bauflucht weit zurück gerückt, nach den Plänen von Stadtbaurat Walther Schmidt errichtet.

Inschrift der ehemaligen Tafel am Stadtwerkehaus