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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg
Stand: 22.05.2011
"Braune" Straßen in Augsburg
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    Zivilcourage - Bürger gegen Rechts
    Welche Konsequenzen werden gezogen?
    Beispiel: Hans-Watzlik-Straße in Augsburg-Lechhausen

    Es ist kein neues Problem, dass Strassen nach Personen benannt wurden und noch werden, deren Biographien kein Vorbild für eine demokratische Gesellschaft darstellen dürften. So auch die Hans-Watzlik-Straße in Augsburg. Am 23.12.99 berichtete die Augsburger Allgemeine (1) im Lokalteil für Krumbach "Weg nach Nazi-Dichter benannt". Den Hans-Watzlik-Weg gibt es im Krumbach seit 1959. Der Name des 1879 in Dolni (ehemals Unterhaid/ Böhmen) geborenen und 1948 in Tremmelhausen bei Regensburg gestorbenen Dichters wurde in den fünfziger Jahren von Ortsgruppen der Sudetendeutschen Landsmannschaft in vielen Orten als Straßennamen durchgesetzt. Eine Lobby, die bis heute sehr stark ist und deren unkritisches Verhalten gegenüber der faschistischen Ideologie bekannt ist.

    Auch in Augsburg finden wir diesen Straßennamen. Kaum einen stört dieser Name, gemäß den Worten von Bürgermeister Winkler: "Wir verfallen nicht in Panik und verfolgen (die) Diskussion (AZ 23.12.99), dominiert Desinteresse. Klar ist eins, die Geschichte kommt erst langsam ans Tageslicht. Bereits 1965 taucht der Namen Watzlik bei Brüdigam(2) in Bildunterschriften auf. Zwei Bilder zeigen Watzlik zusammen mit anderen Dichtern als Teilnehmer einer durch das Reichspropagandaministerium und das OKW (3) organisierten "Dichterfahrt ins Kampfgebiet des Westens" (1940). Paul Hövel, Mitarbeiter des Propagandaministeriums schrieb 1942, man sei gewiss, dass diese "Dichterfahrten" noch "in Jahren ihre Spuren im deutschen Schrifttum hinterlassen werden". Watzlik ist einer dieser Spurenleger. Veröffentlichungen nach dem Ende der Nazidiktatur, nach ihm benannte Straßennamen, ein Totenbrett in der Watzlik-Kapelle bei Tremmelhausen erinnern an den "heimatvertrieben Dichter". Seine Dichtung antimodern und völkisch blendend passend zur NS-Literatur. Nach der Eingliederung des Sudentenlandes ins Großdeutsche Reich erhielt Watzlik 1938 den Eichendorffpreis, 1939 die Goethemedaille und 1941 den Adalbert-Stifter-Preis.
    Als Revanche kamen Loblieder auf den Führer so z.B. "Wir wissen, wem wir unsere Freiheit zu danken haben. Wir wollen darum immer in Treue ihm gehören, unserem Befreier, dem größten deutschen Willensmenschen, dem flammendsten deutschen Herzen, das Gottes Erde je hervorgebracht hat, gleich fruchtbar im Kampf wie in der begütenden Hilfe, einzigartig, einmalig in der Geschichte der Völker: Adolf Hitler!" (Rede über Stifter, Oberplan, 28.1.1939, gedruckt 1940: "Sudetendeutsche Reden und Aufrufe") (4). Wen wundert es wenn er auch im Sammelband "Dem Führer. Gedichte für Adolf Hitler", der Hitler zum 50. Geburtstag gewidmet war.

    Im November 2000 strahlte der Hessische Rundfunk in der Sendung "titel - thesen - temperamente" einen Beitrag von Michael Bauer unter dem Titel "Hans Watzlik: Auf deutschen Straßen ein Autor in bester Gesellschaft. In Wahrheit ein brauner Heimatdichter in den Zeiten des Neo-Nazismus"(5) aus. "Es waren feine Leute, die Watzliks, erinnert man sich im oberpfälzischen Tremmelhausen, und schwer hätten sie's gehabt, nachdem "drüben" die Kommunisten gesiegt hatten". Interessanter Weise wurde von seiten der Erben Watzliks keine Einblick in den Nachlass gegeben. Dennoch das vorgelegte Material bezeichnet Watzlik als einen "völkischnationaler Propagandist der ersten Stunde..", und weiter lautete es: "Auch die Stadt Augsburg sah sich außerstande, Stellung zu nehmen. Verständlich, zumal die Geburtsstadt von Bertolt Brecht nicht nur dem Nazidichter Watzlik eine Straße gewidmet hat, sondern auch Hitlers Kunsteinkäufer Karl Haberstock." Im gleichen Beitrag wird darauf verwiesen, dass im Herbst 2000 Verse von Watzlik, vertont durch NPD-Barde Frank Rennicke im Internet standen. Der Beitrag endete mit der Frage "Wie glaubwürdig ist die demokratische Front gegen Neonazis, so lange selbst Grüne und Sozialdemokraten einen NS-Dichter nicht umgehend zur Diskussion stellen?".

    Wir sind sicher, dass keine langfristig angelegte wissenschaftliche Aufarbeitung der Werke Watzliks notwendig ist um den Namen Watzlik aus dem Straßenverzeichnis Augsburgs und anderswo zu streichen. Auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft sollte sich von ihrem "Böhmerwalddichter" distanzieren. Die Position aus Reihen der Grünen, wonach "kritische Tafeln" unter Straßenschilder alter Nazipropagandisten angebracht werden sollten stößt auf Unverständnis - wie schnell werden solche Orte zu "Wallfahrtsorten" von Neofaschistischen? Erinnerungsorte zum Umgang der Nazis mit der Kunst, Literatur etc. sind notwendig und nicht Straßennamen.

    Quellen:

    (1) gefunden bei D.I.R e.V. (1999-http://www.dir-info.de/nachrichten/infolinks/99/l2/991223178ac58a.htm)
    (2) Heinz Brüdigam: der Schoß ist fruchtbar noch Neonazistische, militaristische, nationalistische Literatur und Publizistik in der Bundesrepublik, Frankfurt/Main 1965.
    (3) Oberkommando Wehrmacht
    (4) zitiert nach Mittelbayerische Zeitung 15.1/16.1.2000, S. 58
    (5) Filmbeitrag in "titel - thesen - temperamente" (ttt) - Hessischer Rundfunk, 19.11.2000 (2000-http://www.hr-online.de/fs/ttt/ 001119/watzlik_hans.html)

    weitere Quellen:
    - Koschmal / Maidl (Hrsg.): Hans Watzlik - ein Nazidichter? Wuppertal 2005 >>
    - Watzlik, Hans: Roswitha oder Die Flucht aus Böhmen. Köln: Schaifstein, 1940.
    - Watzlik, Hans: Sudetendeutsche Reden und Aufrufe. Oberplan: Verl.d. Vereines Böhmerwaldmuseum, 1940.