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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg
Stand: 22.01.2012

WIDERSTAND im DRITTEN REICH

 Bebo Wager

VVN-BdA Augsburg - Bebo Wager
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    *  29.12.1905
     † 12.08.1943

    Eltern: Josef und Emma Wager geb. Gellinger
    Ausbildung: Lehre als Dreher in der Firma L.A. Riedinger in Augsburg
    Beruf: ab Frühjahr 1927 Dreher bei der MAN, seit 1929 als Elektriker
    Familienstand: verheiratet mit Lina Wager, vier Kinder

    Politische Aktivität: seit 1923 Mitglied der SPD und der Sozialistischen Arbeiterjugend; Ortsgruppenleiter für den Bezirk der Jakobervorstadt, tätig im Jugendausschuß der SPD seit 1923 Mitglied im Metallarbeiterverband. seit 1934 Engagement in der Widerstandsgruppe „Revolutionäre Sozialisten“

    Zeitpunkt der Verhaftung: 12. April 1942
    Prozeß/Urteil: Anklageschrift 22. März 1943
    Hauptverhandlung 27. Mai 1943 vor dem Volksgerichtshof
    Verurteilung zum Tode wegen Hochverrats
    Hinrichtung am 12. August 1943 in München Stadelheim


    Stele auf dem Westfriedhof in Augsburg

    Bebo Wager wurde am 29. Dezember 1905 in Augsburg geboren. Der Vater war Arbeiter und kehrte aus dem ersten Weltkrieg als nicht mehr erwerbsfähiger Invalide zurück. Bebo lernte in der MAN den Beruf des Eisendrehers und später, darauf aufbauend, den Beruf des Elektromaschinenbauers; er schloß sich mit 17 Jahren der sozialistischen Arbeiterjugend an und heiratete im Alter von 23 Jahren. Im Juni 1933 gründete er in Gemeinschaft mit Freunden aus den ehemaligen Jugend-, Sport- und Bildungsverbänden der verbotenen sozialdemokratischen Partei in Augsburg, Kempten, Ulm, Günzburg und anderen Städten Schwabens eine Kampfgruppe, die sich später „Revolutionäre Sozialisten“ nannte. Er sorgte neun Jahre lang für den Zusammenhalt und die permanente Rebellion von Hunderten in Südbayern und Österreich, die kompromißlose Gegner der Gleichschaltung geblieben waren. Am 12. April 1942 wurde er verhaftet, am 27. Mai 1943 vom Volksgerichthof in Innsbruck zum Tode verurteilt, am 12. August 1943 im Gefängnis Stadelheim in München hingerichtet und im Friedhof Perlacher Forst mit Hermann Frieb (Haupt der illegalen Sozialdemokratie in München) begraben; 1946 wurde er exhumiert und liegt nun in einem Ehrengrab auf dem Westfriedhof in Augsburg. Heute ist ein Straßennamen in Pfersee, eine Altersheim der AWO und die Berufsschule in der Haunstetter Straße nach ihm benannt.

    Abschiedsbriefe Bebo Wagers an seine Frau und an seine Kinder (München, den 12.8.43)
    “Meine Lieben! Nun muß ich doch den Weg bis zum letzten Ende gehen. Ich habe euer Bild vor mir und es ist unendlich schwer, in den Gedanken an Euch zu scheiden. Liebe Lina! Treu bist Du mir 15 Jahre lang zur Seite gestanden. Manchmal war’s schwer, aber Du hast immer mutig alles mit mir getragen. Hab tausendmal Dank; in dieses eine Wort sei Dir alles gelegt, was ich Dir in den letzten Stunden sagen möchte. Liebe! sei nun tapfer und trage auch das Letzte mit Mut, halte mich in gutem Gedanken und wenn das Schwere überwunden ist, hoffe ich auch für Dich Glück und Frieden. Sei tapfer um unser Kinder willen, wie auch ich versuchen will, tapfer für meine Ideen zu sterben. Möge Dir und unseren Kindern alles Gute erblühen, was ich erstrebt habe und für das ich auch an mir selbst gearbeitet habe. Deinen Eltern, Deinem guten Vater und Deiner guten Mutter, dem treuen Willy, Roni und Lydia, ihnen allen Dank für ihre Treue. Auch ihnen meinen letzten Gruß! Du aber mein treuer Lebenskamerad, lebe wohl und sei nochmals herzlich von tiefsten Herzen gegrüßt und geküßt von Deinem Bebo. Letzter Gruß den Verwandten, Rudi und all den andern. Kuß Dir meine Treue. Auch Hermann geht mit mir den gleichen Weg; er war, mir der treueste Kamerad und Freund.“>

    “Meine geliebten Kinder, Heinz, Hanna, Helmut! Kinder! Den tiefsten Schmerz muß ich Euch zufügen. Unendliche Liebe trage ich auf dem letzten Gang in mir. Daß ich nicht als Verbrecher sterbe, brauche ich nicht zu sagen. Daß ich nur Gutes erstrebte. Haltet immer treu zu Eurer unvergleichlichen Mutter; laßt euch leiten auf dem Weg des Guten, werdet gute, brauchbare, tapfere Menschen. Verehrte Eure Mutter, die Großeltern und folgte ihnen willig. Ich weiß, daß Ihr gut seid und das macht mir den Weg leichter. Mein Tod soll Euere Zukunft nicht trüben. Eines möchte ich noch mit auf den Weg geben und auch hierin wird Euch Mama den rechten Weg zeigen, sucht Gott. Nun mein letzter Wunsch, viel Glück auf Euerem Lebensweg. Haltet mich in guter Erinnerung und seid gegrüßt und tausendmal geküßt von Eurem Vater, der nun stirbt für seine Idee. Tausend Küsse und unendliches Glück für Euch alle. In vier Stunden ist es aus -.“

    aus: Eugen Nerdinger, Flamme unter Asche: Dokumente zu einer Lektion aus den Jahren 1933/ 45, Augsburg 1977, S. 48/ 49. Text leicht verändert. Originale befinden sich im Besitz der Familie Wager


    Spendenmarke der SPD Augsburg aus dem Jahr 1964
    zu 100 Jahre SPD in Augsburg.

     

     

     

     

    Weitere Informationen:
    • Kränze für Widerstandskämpfer - zum 60. Todestag von Bebo Wager AZ 13.8.2003>>
    • Bebo Wager Preis erstmals vergeben AZ 29.1.2006 >>
    • Gedenkfeier an Bebo Wager AZ 14.8.2007 >>
    • Bebo Wager vor 65 Jahren hingerichtet AZ 13.8.2008 >>
    • "Haltet mich gut in Erinnerung" AZ 13.8.2009 >>
    • Erinnerung an Bebo Wager AZ 13.8.2010>>
    • Bebo Wager - Ein politisches Leben als Arbeiter - VVN-BdA Dokumentation Redebeitrag 12.8.2011 >>

    • Kulturreferat München - Sozialdemokratischer und Sozialistischer Widerstand >>
    • Wikipedia >>

    Namensgebung:
    • Bebo Wager Haus — Wohneinrichtung der AWO Schwaben für Menschen mit einem psychischen Handicap
    • Bebo-Wager-Schule — Berufsschulen in Augsburg
    • Bebo-Wager Preis >>

    Literatur:
    • Nerdinger, Eugen: Die unterliegen nicht, die für eine große Sache sterben! Fragen und Antworten über Tat, Grund und Bedeutung des Augsburger Widerstandskämpfers Bebo Wager. Augsburg 1965
    • Nerdinger, Eugen: Bebo Wager ein Vermächtnis. Sternheft, Augsburg 1973.
    • Nerdinger, Eugen: Brüder zum Lichte empor - Ein Beitrag zur Geschichte der Augsburger Arbeiterbewegung. Augsburg 1984.
    Leber, Annedore: Das Gewissen entscheidet -Bereiche des deutschen Widerstandes 1933-1945. Frankfurt am Main 1963