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Geprägt
wurde ihre Überzeugung bereits aus ihrer Familie: Anna Nolan
musste die Verhaftung von Vater, Mutter und Geschwistern durch SA
und SS erleben, wo diese gefoltert und eingesperrt worden sind.
1931 schloss sich die 15jährige Anna dann dem Kommunistischen
Jugendverband (KJVD) an, nachdem sie ihren Vater von einer KPD-Versammlung
abgeholt hatte und dort eine Rede über die Arbeitsbedingungen
von Frauen in Augsburg gehört hatte.
Als
1933 Annas Mutter Rosa als Mitglied der Roten Hife verhaftet wurde, “gab es ein Stocken in der politischen Arbeit für uns
... Wir Jungen, wir haben ja schon vorher Polizeiverhöre geübt.
Man war also schon gefasst, dass das kommen kann. Dann, wie meine
Eltern verhaftet waren, bin ich jeden Tag nach der Arbeit vor dem
Katzenstadel gestanden, wo meine Mutter einsaß. Mein Vater
war ja schon längst nicht mehr in Augsburg, der war in Dachau.”
Die Gruppe nahm
erst Kontakt mit der noch bestehenden kommunistischen Jugendgruppe
in München auf, besorgte sich dort Zeitschriften und Losungen,
die sie dann - meist nachts - in den Arbeitervierteln verteilte.
An Litfaßsäulen und Häuserwände schrieben sie
Aufrufe zum Widerstand und riefen mit Flugzetteln, die sie auf einer
eigenen Handpresse gedruckt hatten, zum Kampf gegen das Nazi-Regime
auf.”
Eines der 1933
in Oberhausen verteilten Flugblätter: “Proleten! Kampfgenossen!
Unaufhaltsam wütet der Mordfaschismus weiter. Täglich
fordert der Aasgeier des Kapitalismus neue Opfer. 50.000 revolutionäre
Arbeiter schmachten im Kerker. Wollt Ihr sie wie Freiwild den faschistischen
Tyrannen ausgesetzt lassen? Arbeiter heraus! Duldet es nicht länger.
Es ist Blut von Eurem Blut. Darum kämpft mit uns Kommunisten!”
September 1933
flog die Augsburger Jugendgruppe auf: doch in Augsburg fanden sich
trotzdem wieder Jugendliche, die die Arbeit weiterführen wollten
und sich nicht von der Brutalität der Polizei und der SS abschrecken
ließen. Mittlerweile hatten sich die Grausamkeiten in den
Arbeitslagern herumgesprochen: der Augsburger KPD-Chef Leonhard
Hausmann war vom SS-Wachmann Kramer - ebenfalls ein Augsburger -
kaltblütig ermordet worden. Der Kreis der jugendlichen Widerständler
erweiterte sich: auch aus sozialistischen und christlichen Gruppen
rekrutierten sich Leute.
Anna Nolan sah
ihren eigenen Vater nie wieder: kurz vor seiner Entlassung aus dem
KZ Dachau starb er an den Folgen eines mörderischen Arbeitseinsatzes,
eingespannt vor einer Straßenwalze.
Juni 1934 dann
der Prozeß wegen dem Aufbau einer Widerstandsgruppe am Oberlandesgericht
München, dann wegen Aufbau der Nachfolgegruppe nochmal im März
1935. Insgesamt wurde sie zu einer Haftstrafe von 21 Monaten im
Strafgefängnis Aichach verurteilt. Als sie unerlaubt Kontakt
zu einer Genossin Kontakt aufgenommen hatte, bestrafte man sie mit
Dunkelhaft. Auf ihr jugendliches Alter wurde kein Rücksicht
genommen. Geschwächt und abgemagert verließ sie das Gefängnis
- mittlerweile 17 Jahre alt. Doch in die Freiheit wurde sie nicht
entlassen: wie alle politisch Verurteilten kam sie in "Schutzhaft"
und wurde ins KZ Mohringen abtransportiert. Nur durch die Hilfe
der anderen mitgefangenen Frauen überlebte sie. Diese gegenseitige
Solidarität war für sie einer der wichtigsten Erfahrungen
während der gesamten Haft- und Verfolgung, die sie aufrecht
erhielt.
Später
wurden die Frauen ins KZ Ravensbrück verlegt. Anna Nolan wurde
dort 1937 nach Hause entlassen und mit der Auflage, von nun an sich
täglich bei der Polizei melden. Auch ihr Privatleben wurde
ständig überwacht. Sie verlobte sich mit Josef Pröll,
der bereits auch schon einige Jahre KZ-Haft hinter sich hatte, und
heiratete ihn, trotz dem Einspruch der Polizei. Er wurde 1939 -
nach Ausbruch des Krieges - wieder verhaftet und verbrachte weitere
lange Jahre in KZ-Haft.
Bis
ins hohe Alter trat Anna Pröll als eine der letzten Überlebenden
des Augsburger Widerstandes für Antifaschismus und Demokratie
in unserer Stadt ein. Aufgrund dieser ihrer Verdienste regten der
Vorsitzende der deutsch-israelischen Kultusgemeinde Gernot Römer
und die Historikerin Annette Eberle 1996 anläßlich ihres
80. Geburtstages eine Ehrenbürgerschaft bei Oberbürgermeister
Peter Menacher an. Dies wurde damals abgelehnt. Inzwischen (2003)
wurde ihr diese Ehre unter Oberbürgermeister Paul Wengert doch
noch zuteil.
Ein Jahr vor ihrer Ehrung in Augsburg wurde die "Ravensbrückerin"
Anni Pröll am 10. September 2002 in der Staatskanzlei in München
mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bayerns Ministerpräsident
Edmund Stoiber (CSU) überreichte die Urkunde. Anni Pröll
sagte, sie nehme die Auszeichnung nur als Ehrung derjenigen an,
die die Konzentrationslager nicht überlebten. Im Namen der
LGRF (Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis) gratulierte
deren Vorsitzende Rosel Vadehra-Jonas Anni Pröll. Unter anderem
sagte sie: "Diese Auszeichnung ist eine Würdigung Deines
langen und aufopferungsvollen Kampfes gegen den Faschismus und Deines
unermüdlichen Engagements gegen das Vergessen."
Text leicht
gekürzt nach Horst Thieme in Neue Szene 11/1998, Überarbeitung
und Ergänzung durch Peter Feininger und Harald Munding
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